370 Bildung und Erziehung
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Im Zuge diversitätsorientierter Lehrer*innenbildung ist häufig eine Schwächenorientierung zu beobachten; z.B. wird individuelle Förderung mit Anspruchsreduzierung gleichgesetzt. Wenn Potenziale als Basis für inklusionssensible Lehr-Lern-Prozesse sind und Begabungsförderung für Schul- und Unterrichtsentwicklung wie auch Lehrer*innenbildung Ausgangspunkt genommen wird, ergeben sich Chancen sowohl für individuelle als auch institutionelle Entwicklungen. Diesem Gedanken wird im folgenden Artikel nachgegangen und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten anhand eines Lehr-Lern-Projekts im Bereich der Lehrer*innenbildung inklusive Evaluationsergebnissen
aufgezeigt. Zunächst erfolgt jedoch eine theoretische Einordung in das Themenfeld inklusiver Begabungsförderung.
Immer mehr Kinder benötigen in Bezug auf schulisches Lernen Hilfe und Unterstützung von ihren Eltern. Dies hat zur Auswirkung, dass die Anforderungen an das Elternhaus immer größer werden. Diesen Ansprüchen können viele Eltern nicht gerecht werden. Nachhilfe ist oftmals nicht leistbar. (Schule - Alle müssen mitkommen, 2018) Neben den Anforderungen an das Elternhaus, haben weitere sozioökonomische Faktoren auf den Lernprozess der Schüler*innen Einfluss. Dazu gehört unter anderem die Schichtzugehörigkeit, die Muttersprache, bestimmte Erziehungsstile oder der Status als Ausländer. (Schiesser & Theurl, 2001) Weiteres ist das Interesse der Schüler*innen ein bedeutender Aspekt für die Wissensaneignung. Das Ausmaß des Lernerfolges ist stark vom Interesse des Kindes abhängig. Aus pädagogischer Sicht betrachtet spielt die Lehrer*innen-Schüler*innen-Beziehung sowie das Lehr- und Lernsetting für die Interessenentwicklung der Kinder eine große Rolle. Negative Emotionen und negativ motivationale Entwicklungen im Laufe der Schulausbildung führen zum Interessenverlust, welcher sogar bis zu einer Abneigung für bestimmte Themen oder Unterrichtsfächer führen kann. (Lewalter & Schreyer, 2000, S. 53–57) Die angeführten Gründe lassen schlussfolgern, dass eine Vielzahl der Kinder bereits im Grundschulalter in ihrem Lernprozess aufgrund unterschiedlicher Faktoren beeinträchtigt oder sogar gebremst werden. Daher ist ein Ziel dieser Arbeit, zu untersuchen, ob ein lernpsychologisch optimiertes Lerndesign für rein schulisches Lernen ausreichend ist. Unter rein schulischem Lernen wird im Rahmen dieser Arbeit verstanden, dass die Schüler*innen gewisse wichtige Inhalte zu einem bestimmten Thema im Unterricht erlernen, abspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt wiedergeben können. Somit soll zu Hause oder außerhalb des schulischen Rahmens keine zusätzliche Zeit für das Lernen und Wiederholen des Inhaltes beansprucht werden. Um dies zu ermöglichen, wurde für diese Arbeit ein Lerndesign entwickelt, welches zwei wesentliche Faktoren berücksichtigt. Einerseits sind das die begrenzte Aufnahmekapazität des menschlichen Gedächtnisses, andererseits der Prozess des Vergessens gelernter Inhalte, welche nicht wiederholt werden. Daraus entstand ein Lerndesign, welches auf dem Konzept der Kerninformationen basiert und auf regelmäßig kurz- und langfristige Wiederholungen achtet. Somit soll die Aufnahmekapazität der Schüler*innen nicht überschritten und dem Vergessen entgegengewirkt werden. Dafür wurde ein ganzjähriges Projekt zum Thema „Honigbiene“ in einer zweiten Klasse der Volksschule Gortipohl durchgeführt. Neben dem Lernzuwachs der Schüler*innen im Laufe des Projektes wurde regelmäßig das Interesse sowie die Einstellung und das Verhalten zum Thema der Schüler*innen erhoben. Dies soll einen detaillierteren Aufschluss über die Ergebnisse bieten. Die erhobenen Daten zeigten, dass ein lernpsychologisch optimiertes Lerndesign den Lernzuwachs der Kinder und infolgedessen die Lern- und Behaltensleistung der Kinder fördern kann. Dadurch kann gesagt werden, dass rein schulisches Lernen unter Berücksichtigung bestimmter Faktoren ausreichend sein kann. Zudem stellte sich heraus, dass entsprechend gestalteter Unterricht das Interesse der Kinder aufrechterhalten und/oder sogar steigern kann.
Musikhören – das pädagogische und psychologische Potential von Musik für Kinder und Erwachsene
(2021)
„Welches pädagogische und psychologische Potential ist in Musik verborgen?“ Diese Frage beschäftigt die Verfasserin bereits seit längerem und ist Gegenstand der Betrachtung in dieser Masterarbeit. Zuerst möchte die Verfasserin klären, welche Bedeutung das Hören im Leben eines Menschen spielt und wie die auditive Wahrnehmung im menschlichen Organismus funktioniert. Danach widmet sie sich den möglichen menschlichen Reaktionen, die durch das regelmäßige Hören von Musik hervorgerufen werden. Hierbei werden die potentiellen physiologischen, psychologischen sowie emotionalen und sozialen Effekte erläutert. Im Anschluss daran wird der Bedeutung von Musik während der Kindheit nachgegangen. Dazu ergänzend wird die Verfasserin die Auswirkungen von bewusstem Musikhören auf das einzelne Kind vor allem in Hinblick auf Konzentrationsfähigkeit, das schulische Lernen, sowie Imagination und Kreativität festhalten. Die methodische Vorgehensweise für die Bearbeitung dieser Inhalte ist hierbei hermeneutisch. In Ergänzung dazu wird die Annahme der Verfasserin überprüft, dass ein regelmäßiges Üben des bewussten Musikhörens die punktuelle Konzentrationsfähigkeit von Kindern beeinflussen kann. Die Verwendung des Adjektivs „bewusst“ beim Substantiv „Musikhören“ meint in der vorliegenden Arbeit nur, dass von den Lehrerinnen für die Probanden ein Umfeld geschaffen worden ist, das bewusstes Zuhören ermöglichte. Die methodische Vorgehensweise setzt sich dabei aus einer quantitativen und einer qualitativen Forschung zusammen und unterliegt somit dem Konzept der Mixed-Methods. Die für die Durchführung notwendigen Erhebungsinstrumente sind die Methode des Tests sowie die Ergänzung mit einem Leitfrageninterview. Erstes wird durch die Unterstützung von zwei unterschiedlichen Klassen erhoben, wobei bewusstes Hören von Musik durch das Projekt „Hörminute“ Anwendung findet und dessen Auswirkungen auf die Ergebnisse der Konzentrationstests jedes einzelnen Kindes im konkreten Fall überprüft werden. Für diese schriftlichen Konzentrationstests wird auf Vorlagen in der Literatur zurückgegriffen. Des Weiteren wird die Verfasserin ein Leitfrageninterview mit einer der beiden Lehrpersonen durchführen, von welcher die Interviewende das Projekt „Hörminute“ erproben sowie die Konzentrationsfähigkeit der einzelnen Schülerinnen und Schüler im konkreten Fall überprüfen lassen durfte. Die aus diesen beiden Methoden resultierenden Erkenntnisse wurden der Masterarbeit „Musikhören - das pädagogische und psychologische Potential von Musik für Kinder und Erwachsene“ beigefügt.
Die Qualität von Fachkraft-Kind-Interaktionen hat einen enormen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder. Um mögliche Unterschiede im Interaktionsverhalten der Fachkräfte mit verschiedenen Ausbildungsniveaus und in divergierenden Situationen festzustellen, wurde in 40 Kindergärten videografiert, jeweils eine ca. 15-minütige Freispiel- und Essenssituation und somit insgesamt rd. 1200min mit 2086 beobachtbaren Interaktionen ausgewertet und analysiert. Dafür wurde ein niedrig inferentes Kodierverfahren mit Ereignisstichprobenplan eingesetzt sowie eine qualitative videobasierte Inhaltsanalyse durchgeführt. Unterschiede im Handeln und Kommunizieren der Fachkräfte je nach Situation und Ausbildungsniveau wurden festgestellt sowie interaktionsfördernde Strategien wie (non)verbales Zeigen von Interesse, offene Fragen, Verbalisieren von Handlungen und das Folgen kindlicher Logik identifiziert.
Die aktuell diskutierte PädagogInnenbildung NEU bringt die Chance für neue Entwicklungen in der Aus- und Weiterbildung. Neben der Diskussion um eine neue Ausbildungsstruktur sollte aber nicht darauf vergessen werden, sich auch um die Inhalte zu kümmern. Lehrpersonen an Volksschulen müssen nach wie vor ein sehr weit gestreutes Unterrichtsfeld bedienen und so ist es meist Zufall, mit welcher Qualität an Inhalten die Kinder in den unterschiedlichen Fachgebieten in Berührung kommen. Zudem stehen den Anforderungen im Bereich der Schule weniger Stunden im aktuellen Studienplan in der Ausbildung (in diesem Artikel ist der Bereich der Bildnerischen Erziehung angesprochen) als früher zur Verfügung. Da dieses Fachgebiet stark von praktischen Tätigkeiten geprägt ist und der Erwerb dieser Kompetenzen zeitabhängig ist, wird das Andenken neuer Aus- und Weiterbildungselemente erforderlich, der nachstehende Artikel beschreibt die Idee der Spezialisierung und beschäftigt sich mit deren Vorteilen für die Unterrichtslandschaft in der Volksschule.
Die Anfänge dieser Arbeit finden sich in der Auseinandersetzung mit dem Thema ADHS bzw. HKS während der Studienzeiten an der Pädagogischen Akademie in Feldkirch und an der FernUniversität in Hagen,aber auch im Berufsalltag in der Begegnung und Arbeit mit Hauptschulkindern, Eltern, Kollegen und Studierenden der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg. Seit über 17 Jahren fordern und bereichern mich die mannigfaltigen Erfahrungen mit so genannten „Zappelphilipps“ bzw. mit Situationen, in welchen es nicht immer leicht und einfach ist, als Lehrer vor dem Hintergrund unterschiedlicher Erwartungen, Entwicklungsprozesse und Anforderungen passend zu (re-)agieren. Nun könnte man meinen, dass es sich bei der Hyperaktivität und impulsivität um lediglich aktuelle Phänomene, vielleicht sogar um Modethemen, hält, welche womöglich nur aus der heutigen Perspektive bzw. mit gegenwärtigen Methoden zu reduzieren sind. Eine solche Auffassung beachtet jedoch leider die historischen Dimensionen jener Erscheinungen nicht und verschließt evtl. Möglichkeiten, die den Betroffenen und Beteiligten in der Gegenwart wertvolle Hinweise und Hilfen geben können.
Aktuelle bildungspolitische Veränderungen speziell für das Schulfach lebende Fremdsprache in Österreich – Aufwertung des Fremdsprachenunterrichts zu einem Pflichtgegenstand in der 3. und 4. Schulstufe, Einführung der Grundkompetenzen GK4 sowie die Überarbeitung der Lehrpläne für die Primar- als auch Sekundarstufe – rücken den Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe in den Fokus der fachdidaktischen Forschung. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Herausforderungen des Übergangs vor allem in der fehlenden Differenzierung im Fremdsprachenunterricht der Sekundarstufe, im mangelnden Wissen der Lehrpersonen über die andere Schulform, in der fehlenden Kommunikation/Kooperation der beiden Schulformen sowie in der unterschiedlichen Unterrichtsgestaltung liegen. Eine Möglichkeit, diesen Herausforderungen zu begegnen, kann in einer gemeinsamen Lehrveranstaltung für Studierende der Primar- und Sekundarstufe liegen. Aus diesem Grund wurden im Rahmen einer Pilotstudie in einem Workshop an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg studienübergreifend fachdidaktische Inhalte vermittelt und die Akzeptanz dieser gemeinsamen Lehrveranstaltung anhand eines Fragebogens erfasst. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz seitens der teilnehmenden Studierenden und lassen somit auf das Potential einer gemeinsamen Lehrveranstaltung schließen.